Im Alter werden viele Menschen pflegebedürftig und sind auf die Hilfe anderer angewiesen. Manchmal sind es die Angehörigen, die sich kümmern, oft aber auch private Krankenschwestern, mobile Pflegedienste oder stationäre Pflegeeinrichtungen. Um den genauen Grad der Pflegebedürftigkeit festzustellen und eventuell eine Pflegestufe mit finanzieller Unterstützung beantragen zu können, ist es zunächst wichtig, die Pflegedürftigkeit festzustellen.

Pflegebedürftigkeit feststellen – Voraussetzung für Pflegegeld

Auch wenn viele Familien ihre Angehörigen gerne pflegen, ab einem gewissen Punkt bringt das nicht nur Zeitaufwand mit sich, sondern es ist auch finanziell eine Belastung. Die Pflegekasse zahlt ab einem gewissen Grad an Pflegebedürftigkeit ein Pflegegeld – die Stufen 1 bis 5 sind hier möglich. Um die Pflegebedürftigkeit festzustellen, gibt es ein genau vorgegebenes Verfahren, das meist vom medizinischen Dienst für die Pflegekasse durchgeführt wird.

Was genau bedeutet eigentlich Pflegebedürftigkeit?

Pflegebedürftig ist man noch nicht, wenn man nur gelegentlich Unterstützung im Haushalt im Rahmen einer Haushaltshilfe benötigt, sondern wenn regelmäßig und dauerhaft Hilfe nötig ist. Zum Beispiel beim Waschen und Ankleiden oder beim täglichen Zubereiten der Mahlzeiten. Der Grund für eine Pflegebedürftigkeit kann entweder das fortschreitende Alter oder auch eine Krankheit (körperlich, geistig oder seelisch bedingt) sein, die es dem Betroffenen unmöglich macht, sich selber zu versorgen. Betroffen sind meist mehrere Bereiche des Lebens wie die Ernährung, die Mobilität, die Körperpflege oder das Führen des Haushalts. Besteht der Bedarf für mindestens sechs Monate, kann ein Antrag auf Pflegegeld gestellt werden.

Der Ablauf zur Feststellung der Pflegebedürftigkeit

Um festzustellen, welche Pflegestufe jemand erhält, wird zunächst genau geprüft, inwieweit der Alltag noch allein bewältigt werden kann und wo Unterstützung nötig ist. Ab einer gewissen Anzahl der auszuführenden Tätigkeiten, erhält der Betroffenen dann die Pflegestufe 1, sodass ein fester Betrag von der Pflegekasse an den Pflegenden (z. B. Angehöriger oder Pflegedienst) gezahlt wird. Ist der Pflegebedarf erhöht oder sogar sehr hoch, kommen je nach Ausmaß die Pflegestufen 2,3, 4 und 5 infrage.

Die richtige Pflegestufe erhalten

Wichtig ist, dass der Betroffene bei der Begutachtung durch den medizinischen Dienst keinen Pflegebedarf verschweigt, vielleicht aus Scham oder anderen Gründen. Damit die Pflegebedürftigkeit realistisch eingeschätzt werden kann, ist es immer sinnvoll, dass der pflegende Angehörige oder eine andere Pflegekraft während der Begutachtung anwesend ist. Auch ein unabhängiger Pflegeberater unterstützt den Betroffenen bei der Begutachtung.

©123rf.com

©123rf.com

Antrag stellen

Als Erstes muss ein Antrag bei der Pflegekasse gestellt werden, die Teil der eigenen Krankenkasse ist. Ist der Antrag bei der Pflegekasse eingegangen, beauftragt diese den MDK (Medizinischen Dienst), der wiederum einen Gutachter damit beauftragt, beim Betroffenen einen Termin zur Begutachtung zu vereinbaren. Alternativ kann die Begutachtung auch bei einem unabhängigen Pflegegutachter beauftragt werden. Ist der Betroffene nicht gesetzlich, sondern privat versichert, wird der Antrag nicht bei der Pflegekasse, sondern bei der jeweiligen Versicherung eingereicht. Anschließend wird dann nicht der MDK, sondern der Medizinische Dienst MEDICPROOF damit beauftragt, die Begutachtung durchzuführen.

Die Begutachtung wird immer an einem vorher vereinbarten Termin durchgeführt, der Betroffene braucht also keine Angst haben, dass der medizinische Dienst einfach so vorbeikommt. Die Begutachtung findet dort statt, wo der Betroffene seinen Alltag verbringt. Das kann zum Beispiel zu Hause, aber auch in einer Pflegeeinrichtung sein.

Vorbereitung für den Termin

Wichtig ist, dass als Vorbereitung für diesen Termin alle relevanten Unterlagen für den medizinischen Dienst bereitgelegt werden. Dazu gehören u. a. Arztberichte, Dokumentationen von Pflegediensten, Nachweise über die aktuelle Medikamenteneinnahme sowie alle sonstigen Unterlagen, die für die Begutachtung von Relevanz sein könnten.

Pflegebedürftigkeit feststellen – Ablauf der Begutachtung

In der Regel werden sechs verschiedene Lebensbereiche begutachtet und die Ergebnisse in Fragebögen notiert. Untersucht werden zum Beispiel die geistigen Fähigkeiten und die Möglichkeiten, die der Betroffene zur Kommunikation hat. Das bedeutet, es wird geschaut, ob der Betroffene weiß, wo er sich befindet, ob er bestimmte Risiken erkennen kann und weiß, was andere Menschen von ihm wollen und versteht, was im Umfeld vor sich geht. Beim Punkt Mobilität wird geprüft, wie sehr der Betroffene in seinen täglichen Bewegungsabläufen eingeschränkt ist. Kann er beispielsweise morgens alleine aufstehen, benötigt er Hilfe, um ins Bad zu gelangen oder kann er noch Treppen steigen. Auch ob der Betroffene sich noch selbständig um seine Grundbedürfnisse kümmern kann, zum Beispiel essen, trinken, waschen, an- und ausziehen, wird geprüft oder ob er vielleicht Hilfe in Form einer Seniorenbetreuung benötigt. Wenn dies der Fall ist, kann man auch während des Verfahrens Hilfe von einer professionellen Haushaltspersonalagentur auf eigene Kosten in Anspruch nehmen. Ein weiterer Punkt ist die Gestaltung des täglichen Lebens. Das bedeutet, es wird geschaut, ob der Betroffene den Tagesablauf noch selbst organisieren kann, ob er sich mit anderen Menschen trifft, Freunde und Verwandte hat und ob er selbständig Unternehmungen planen und durchführen kann. Auch der Umgang mit Krankheiten und Therapien ist ein Punkt bei der Begutachtung. Hier wird geprüft, ob alle Arzneien selbständig eingenommen werden können und ob Arztbesuche noch selbständig möglich sind. Der letzte Punkt prüft das Verhalten allgemein sowie psychische Probleme und Ängste im Zusammenhang mit der Krankheit oder Einschränkung und wie der Betroffene generell mit der Pflegebedürftigkeit umgeht. Zum Schluss wird der Gutachter alle Fragebögen auswerten und je nach erreichter Gesamtpunktzahl eine entsprechende Pflegestufe vorschlagen oder auch feststellen, dass die Pflegebedürftigkeit für eine Pflegestufe noch nicht ausreicht. Entsprechend dieses Gutachtens wird dann die Krankenversicherung bzw. die Pflegekasse über den Antrag entscheiden. In der Regel dauert die endgültige Entscheidung vom Stellen des Antrags bis zum Erhalt des Bescheids mehrere Wochen.